Reisen mit leichtem Gepäck

Reisen mit leichtem Gepäck

9. März 2022 6 Von susanne

Viel Zeit ist vergangen, sehr viel Zeit und eine sehr intensive Zeit.
Ich bin noch da, wer auch immer dieses ICH auch ist. 🙂

Das LEBEN schenkt mir weiterhin noch etwas Zeit auf dieser Erde und hat mich in den „schönsten Wartesaal der Welt“ versetzt. Schon während meiner Erkrankung hatte ich ja das Gefühl, alles loslassen zu müssen. Habe vieles sortiert, aufgeräumt und abgeschlossen. Dieser Prozess wurde in den letzten Monaten vertieft und vervollständigt.

Innerhalb von 3-4 Monaten habe ich ALLES in meiner Heimatstadt Rostock aufgegeben:
Schon mit dem Tod meines Vaters im Sommer letzten Jahres kam es zu einer Fortsetzung des intensiven Loslass-Prozesses. Es folgte die Aufgabe der Praxis (fast 30 Jahre), der Verkauf des Seminarzentrums und die Auflösung meiner Wohnung, in der ich 50 Jahre meines Lebens verbracht habe. Mein Lebensmittelpunkt sollte eine neue „Heimat“ bekommen. Ein Umzug stand an, ein Umzug in ein anderes Land, auf einen anderen Kontinent.

Jedes Ding und jedes Teil wollte in die Hand genommen werden und ich musste entscheiden: Mitnehmen, einlagern, Sozialkaufhaus, wegschmeißen, verschenken…. Bei ein paar Teilen habe ich diese Entscheidung bis zum letzten Moment in der letzten Woche hinausgezögert, konnte mich nicht entscheiden. 🙂

Reisen mit leichtem Gepäck

Flohmarkt

Es war neben der Krebserkrankung die wohl intensivste Zeit meines Lebens vorallem auch physisch. Habe mindestens 35 Pakete von 30kg gepackt, rund „normale“ 50 Umzugskartons, Möbel abgebaut, eingepackt, den Keller, Garage und Dachboden aufgeräumt, jeden Samstag Hausflohmarkt und Subbotnik betreut, rund 300 ebay-Kleinanzeigen erstellt und bearbeitet, 5x Sperrmüll bestellt, 1x Sperrmüllcontainer gefüllt, 3x Elektroschrott weggefahren, alte Farben entsorgt, Werkzeuge sortiert, Baumaschinen bestellt und so vieles mehr, an das ich mich nicht mehr erinnere.
Zwischendurch hat auch mir ein Virusinfekt über den Jahreswechsel für 3-4 Wochen alle Energie geraubt.
Es war keine Zeit, viel nachzudenken.

Ich war sehr erstaunt und bin es immer noch, wie leicht mir doch das Loslassen gefallen ist. Äußere Umstände haben mir geholfen, eine klare Entscheidung zu treffen. Es gab nur manchmal wirklich traurige Momente, ein paar Tränen oder das Gefühl von Abschied. Im Vordergrund stand das Gefühl von Erleichterung, viele Rucksäcke wurden abgestellt und Verantwortlichkeiten abgegeben.
Was für ein tolles Gefühl!
Reisen mit leichtem Gepäck!

Silbermond:
„Du nimmst all den Ballast
Und schmeißt ihn weg,
Denn es reist sich besser
Mit leichtem Gepäck…“

Ich hatte ein großartiges Team neben mir!

Es wäre allein nie machbar gewesen und ein klein bisschen hatte ich mich wohl auch überschätzt. Aber mitten im Prozess war keine Zeit mehr, darüber nachzudenken, sondern dann, einfach nur noch zu machen. Ich hatte ein ZIEL!
Manchmal zum Subbotnik (ich hoffe, Ihr wisst alle, was das ist…) waren wir wohl 10-12 Freunde und Helfer. Es wurde gewerkelt, abgebaut, eingepackt, runtergetragen, Müll weggefahren und daneben geschwatzt, Kaffee getrunken und Gedanken ausgetauscht. Es hat mich sehr berührt, so viele Freunde um mich zu wissen und ich war so dankbar, diese Hilfe annehmen zu dürfen.
Danke, Ihr Lieben alle. Es war mir eine sehr große Freude, Euch an meiner Seite zu wissen.
Und der Container-Tag war dann die „Krönung“.

Innerhalb von 4 Stunden haben wir echt zusammen einen 40-Fuss-Container beladen. Es war gut vorbereitet, aber da ich vorher nicht abschätzen konnte, WIE VIEL wirklich hineinpasst, wurde auch noch am Tag spontan entschieden, was mit auf die Reise gehen soll.
(Zum Thema „Reisen mit leichtem Gepäck“: Vermutlich sind rund 30 Prozent der Sachen in diesem Container , die ich nicht vermissen würde, wenn sie nicht da wären und vermutlich auch nicht brauchen werde.)

So langsam fragt Ihr Euch sicher, wohin die Reise nun geht.

Wo mein neuer Lebensmittelpunkt liegt…
Dieser Container ist auf der Reise nach Sansibar / Tansania.
Ich bin inzwischen hier schon angekommen, während er noch über die Weltmeere schippert.
Wie es zu Sansibar kam, erzähle ich Euch später in einem nächsten Beitrag.

Die Entscheidung hat auf jeden Fall mit dem Titel dieses Blogs zu tun:
„Heilen bevor man krank wird“
Es liegen 2 sehr intensive Jahre hinter mir und es waren zwei Jahre, gerade nachdem ich meine Krebserkrankung überstanden hatte. Zu jeder Intensität und Anstrengung in dieser Zeit habe ich vollständig JA gesagt. Im Herbst 2021 gab es jedoch Momente in mir, wo ich merkte, jetzt ist Erholung, Rückzug, Regeneration angesagt. Ich konnte so nicht mehr weitermachen.
Was hätte ich meinen Patienten gesagt? Dann mach mal Pause!

Es hat zwar nun noch ein paar sehr (anders) intensive Monate gebraucht, um in diese Pause zu gehen, aber jetzt ist es soweit.
Auch zum Thema „Leben auf Sansibar“ wird es einen späteren Beitrag geben.
Schritt für Schritt werde ich alles nachholen.

Hier und Jetzt

Während ich gerade im „Hier und Jetzt“  am Laptop siniere, flattert ein wunderschöner Schmetterling in den Büschen. Ich grüße Euch alle, die diesen Blog und mich weiterhin begleiten, die neu hinzugekommenen und auch die, die inzischen „gegangen“ sind.
LIEBE verbindet uns, egal, wo wir sind!