Die KO-Frage für einen Krebspatienten: Wie geht es Dir?

Die KO-Frage für einen Krebspatienten: Wie geht es Dir?

11. März 2019 1 Von susanne

10.00 Uhr

Wie geht es Dir? Wie oft habe ich diese Frage gehört und wie unterschiedlich habe ich sie beantwortet. 
Ein Freund mit einer Krebserkrankung war jedes Mal empört, wenn jemand ihm diese Frage stellte.

Die Frage selbst hat so viele unterschiedliche Untertöne und deshalb auch so viele verschiedene Antworten.

Wie geht es Dir? Wie häufig wird diese Frage allzu achtlos gestellt. Man erwartet bestenfalls ein schnelles „Ganz gut“ oder ein „Muss ja“.  
Auf mehr Ausführungen will man sich gar nicht einlassen…

Ich kann sagen und bin sicher, jede Frage an mich war ernst gemeint und mitfühlend. Ernstgemeint braucht diese Frage gegenüber Krebskranken (und nicht nur bei ihnen) sogar Mut. Mut, sich dem zu stellen, was dann als ehrliche Antwort kommt: Hab ich die Kraft, das auszuhalten? Hab ich die Zeit und die Fähigkeit, Trost zu spenden oder einfach da zu sein?

Was ist meine ehrliche Antwort heute auf diese Frage?

Es gäbe mehrere (es fallen mir spontan mindestens acht) Gründe ein, die die Antwort von „doof”, „beschissen” oder „furchtbar”  rechtfertigen würden. Alle diese Gründe haben mit der Vergangenheit oder Zukunft zu tun: Operationen,  Komplikationen, Missverständnisse, Ängste, Vergleiche oder Erwartungen.

Gegenwärtig sitze ich auf der Station Innere 5 (Onkologie). Vor 5 Wochen ist meine Mutter von hier entlassen worden.
Ich warte auf mein Zimmer, wobei ich nur zum Port legen hergekommen bin.
Will heute Nachmittag auch wieder nach Hause, bzw. nach Kühlungsborn, wo ich gerade Urlaub mache.

Wie geht es Dir? Hier und Jetzt?

Wenn ich ehrlich hier und jetzt in mich hineinhorche, dann geht es mir gut. Wobei dieses GUT vielschichtig ist. Fünf Wochen nach dem Krankenhaus hab ich doch wieder an Gewicht und Kraft zugelegt. Fühle mich fitter, hab wieder mehr Vertrauen in meinen Körper gefunden, habe mich mit dem Stoma einigermaßen eingerichtet und lächle wieder öfter.

Natürlich ist gerade hier auf Station auch ein Gefühl von Traurigkeit, Besorgtheit und Bedrücktheit dabei. Wäre jedoch auch komisch, wenn es nicht so wäre. Alles darf da sein und wird integriert. Es ist so, dass auch diese sogenannten „negativen”  Anteile gewürdigt und mit Respekt behandelt werden. Und gleichzeitig  akzeptiert, dass sie nur ein Teil vom Ganzen sind.  Dann stellt sich Ruhe und Frieden ein.
Vielleicht ist die bessere Antwort auf die Frage: „Ich bin zuFRIEDEN.” Und dafür bin ich sehr dankbar.

Ich nehme diese Frage, wenn sie mir gestellt wird, als Herausforderung ganz ehrlich in mich hineinzufühlen, was da gerade los ist und wirklich zu reflektieren, wie es mir denn gerade JETZT so geht. Das ist eine gute Überprüfung, um nicht jammernd in der Vergangenheit hängenzubleiben oder angsterfüllt in die Zukunft zu spekulieren.

Also lasst uns achtsam sowohl mit der Frage, als auch mit der Antwort umgehen.
Und das nicht nur bei krebskranken Menschen. 🙂

Auch wenn ich noch auf dem Flur sitze, sind die Aufnahme und Aufklärung schon erfolgt.
Wenn alles gut geht, hab ich den Port vor dem Zimmer. 😊

15.00 Uhr

So war es dann auch. 11.30 Uhr ging’s zum OP. Und als ich 13 Uhr wieder zurück war, gab’s dann das Zimmer. Nun liege ich wieder mal im Krankenhausbett und ruhe mich noch bisschen aus. Mein Onkologe möchte noch wegen der weiteren Therapie mit mir sprechen, deshalb genieße ich noch ein Weilchen die Krankenhausatmosphäre.:-)

Es tut mehr weh, als gedacht… 🙂

17.00 Uhr

Ich bin zu Hause und kühle meinen Arm.

22.30 Uhr

Wir sind in Kühlungsborn angekommen.

Wie geht es Dir?Übrigens hat der Hafenmeister meine Bitte auf einen Jahresliegeplatz im Kühlungsborner Bootshafen erfüllt! Also, wenn Ihr mich in diesem Sommer irgendwo sucht…..