Stoma Rückverlegung Klinikbericht

Stoma Rückverlegung Klinikbericht

28. September 2019 6 Von susanne

Am Freitag, den 13.9. wurde ich operiert und die Stoma Rückverlegung des Ileostomas vorgenommen. Und eine Woche später, am letzten Wochenende lag ich schon am Strand vom Kühlungsborn.
Wunderbar-Danke!

Eigentlich reichen wieder diese beiden Worte vollständig aus, um diesen Abschnitt der „Abenteuerreise“ zu beschreiben. Unser kleiner Verstand jedoch will mehr wissen und will auch mehr von sich geben. (Sonst gäbe es diesen Blog gar nicht.J)

Und vielleicht ist diese kleine Beschreibung hilfreich für diejenigen, die es noch vor sich haben.

Stoma Rückverlegung Klinikbericht

Am Aufnahmetag, am Donnerstag, gab es noch eine Rektoskopie, um zu kontrollieren, wie alles verheilt ist, nachdem ich im Januar 2019 ja eine Anastomoseninsuffizienz (die Naht im Darm ging wieder auf) und eine EndovacTherapie hatte. Dabei blieb ich dieses Mal wach, wollte ja alles mit ansehen. Der Doktor war sehr erfreut über das Ergebnis, es sah „Top“ aus und so stand der Rückverlegung nicht mehr im Wege. Am Nachmittag bin ich noch ein bisschen im Klinikpark spazieren gegangen.

In den letzten Tagen vor der Stoma Rückverlegung hatte ich versucht, möglichst reizfrei mich zu ernähren, damit die Umgebungshaut vom Stoma für die Heilung nicht so entzündet und gereizt ist. Brot, Kartoffeln und Kräutertee haben dabei geholfen.

Also dann: Letzte Nacht mit Beutel! Morgens (Freitag) Strümpfe und OP-Hemd an, Beruhigungstablette und ab in den OP. Narkosen finde ich inzwischen toll! 🙂
Einfach wegschlafen, die anderen ihren Job machen lassen, aufwachen und fertig… wenn es denn alles gut verläuft…. Nur haben sie dieses Mal mir gar nicht gesagt, dass es jetzt „los“ geht. Ich liebe diesen Moment. Sie haben mich einfach „weggebeamt“. (Vielleicht haben sie es ja sogar gesagt, ich hab es bloß schon nicht mehr mitbekommen. 😉

10 Uhr Aufwach-Raum, 12 Uhr wieder auf Station. Hugo empfängt mich schon. Als erstes Rückmeldung an meine Mädchen und meinen Vater. Als ich unter die Bettdecke nach dem Verband schaue, bin ich sehr erstaunt und verblüfft. Da ist ja nur ein kleines Pflaster, als wenn mir nur ein Leberfleck entfernt worden wäre. Heute gibt es nur Tee, ich döse vor mich hin, Hugo massiert mir bisschen die Beine.

Ich höre meine momentane Lieblings-CD „Graceful passages“, Musik und Texte zum Leben und Sterben (Danke, Andrea!). Es ist ein wundervolles und heilsames Werk und die Musik berührt mich sehr tief.  Während dieser Meditation habe ich Momente tiefer Dankbarkeit, Entspannung, Gewissheit, Schmerzfreiheit und Freude. Es ist, als wenn etwas „Neues“ in mir entsteht, heranwächst und sich ausbreiten möchte. Mit dieser Operation ist wirklich etwas zu Ende gegangen. Es ist ein Abschluss all der schulmedizinischen Therapien. Ich bin krebsfrei, beutelfrei und glücklich.
Und gespannt und neugierig, was kommt….

Es wird Abend.

Gerade als Hugo gehen will, kommt mir all der Tee wieder oben raus. Am meisten macht mir die Narbe beim Kotzen zu schaffen und tut weh. Aber ihr kennt das alle: Nach dem Kotzen geht´s einem erst mal ziemlich gut.  Die Nacht schlafe ich in Etappen, es geht…

Am nächsten Morgen (Samstag) 7 Uhr Visite, zum Frühstück Milchsuppe und Tee. Ich kann schon gut aufstehen, zur Toilette gehen und HURRA, es kommen die ersten Winde und gegen Mittag auch Stuhlgang, naja eher Stuhlgängchen (blutig, schleimig) ….. Nachmittags bin ich ziemlich mit meinem Bauch beschäftigt. ES will wohl nicht so recht weiter rutschen. Ich versuche es wieder mit Meditation und Musik, abends habe ich keinen Appetit. Von der Schwester bekomme ich Zwieback, um ihn in den Tee einzuditschen, das geht ganz gut…Und auch noch abends und bis in die Nacht einen MCP-Tropf.

Nächster Morgen (Sonntag): Verbandswechsel mit Duschpflaster. Ich gehe duschen, mein Lebenswecker! Fühle mich sehr gut danach. Habe sogar Hunger auf Frühstück und mein Lieblingsessen wird wohl Zwieback in Pfeffi-Tee. 🙂 Dann noch mal schlafen, meditieren, es ist ja Sonntag und nicht viel los: Visite, Mittagssuppe, Mittagsschlaf, Spaziergang in der Klinik über 4 Etagen, Bauch ruhig, Stuhlgang dünn und plötzlich… 🙂 Ich kann noch nicht unterscheiden, ob Pups oder „richtig“… Auch in der Nacht geht noch was ungewollt und unbemerkt in die Hosen… 🙁

Montag: Stationsablauf, 7 Uhr Visite, alle sind zufrieden.
Und es gibt sogar Kaffee und Toast zum Frühstück. Mein Darm nimmt das alles auch dankbar und ruhig auf. Sicher, ich muss noch ziemlich häufig (20-30x) auf die Toilette, weil es immer Drang gibt, aber nicht immer was kommt. Der Popo hat auch schon gelitten und bekommt Super-Creme! Trotzdem, ich bin sehr zufrieden heute. Und der Vormittag ist gefüllt mit Besuch: von einer Kollegin im Haus, von meinem Vater, von der Diätassistentin, von der Sozialarbeiterin und vom Physiotherapeuten. Stuhlgang ist noch „Schwerstarbeit“, ich muss immerzu aus dem Bett aufspringen… aber es wechselt schon von flüssig zu breiig. 🙂

Meditation

Während der Mittags-Musik-Mediation-Ruhepause hab ich viel geweint vor Dankbarkeit und Entlastung.  Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich diese OP doch so entlasten würde. Entlastung im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Beutel hat schon manches Mal ziemlich nach unten gezogen. Erst jetzt nehme ich wirklich wahr, dass mit dieser Stoma Rückverlegung OP „etwas“ zu Ende geht. Und da ist schon so viel Freude in mir. Und ich kann jetzt fühlen, wie es sich „ohne Krebs“ anfühlt. Es ist vorbei!

Dienstag: Die Nacht war ziemlich gut und ruhig. Ich bin schon sehr erstaunt, dass mich mein Darm nachts ziemlich in Ruhe lässt. Und (reden wir mal wieder über Kacken…) der Stuhlgang heute ist sogar schon ein kleines „Würstchen“. Worüber man sich doch so freuen kann… 🙂 Ich bin schon noch beschäftigt mit ein paar Gedanken zum 3. und 4. Tag. Das sind die entscheidenden Tage hinsichtlich der Naht im Darm, ob sie hält oder nicht.
Ansonsten bin ich schon viel auf, laufe rum, sitze am Laptop und mache Videos.

Es ist Mittwoch und damit Chefarzt-Visite. Ich freue mich auf Prof. Ludwig und will ihm meine CD, die ich jetzt hier viel gehört habe, weiter verschenken. Beide haben mir sehr geholfen!!! Es war ein sehr berührender und menschlicher Moment voller Dankbarkeit. „Entlassung morgen.“
Nun hält es mich auch nicht mehr im Haus, ich gehe in den Klinikpark und lege aus Blättern, Nüssen und Zweigen ein Mandala. Auch nachmittags bin ich noch mal unterwegs. Heute komme ich mir wie im Hotel vor, abends fernsehen, schlafen, aufwachen

Entlassung

Duschen. Es ist Donnerstag und es geht nach Hause!
Dankbarkeit ist einer der reichsten Zustände, die wir haben. Wenn ich mir vorstelle, wer ALLES an meiner Operation und Heilung direkt und indirekt beteiligt ist, bekomme ich das große Staunen und Wundern. Nicht nur die Ärzte und Schwestern im Krankenhaus, sondern alle, die es versorgen, gebaut haben, inklusiver der Mütter und Väter… Wenn ich diesen Gedanken weiterdenke, bekomme ich eine Erfahrung von Verbundenheit und EINS-Sein. Es ist noch so viel größer, als wie wir uns vorstellen können….

Wenn alles gut geht, „muss“ 🙂 ich dann nächstes Jahr irgendwann wieder arbeiten… 🙂

Nachtrag: Heute vor 14 Tagen war die Operation. Ich war inzwischen schon wieder 2 Tage auf dem Boot in Kühlungsborn und jetzt zu Hause. Am Dienstag habe ich mir selbst die Fäden gezogen.
Ich bin sehr erfreut über die Stuhlgangs-Entwicklung. 🙂 Gerade im Vergleich zu dem, was ich so im Internet über die Stoma Rückverlegung gelesen habe. Da kann ich wirklich sehr froh sein. Nachts kann ich durchschlafen! Und tagsüber habe ich zwar noch häufiger Stuhlgang, manchmal drängt es ein bisschen, aber es formt sich langsam, ich habe keinen Durchfall, ich habe keinerlei Bauchschmerzen. Ich kann mich frei bewegen, wenn ich draußen unterwegs bin, nehme ich eine Vorlage zur Sicherheit.

 

Nachtrag mein Vater: Ihm geht es eigentlich auch recht gut. Wir unterstützen uns gegenseitig sehr. Die Tabletten gegen seine Nervenschmerzen bei der Gürtelrose scheinen ihre antidepressive Wirkung zu entfalten, was ihm ganz guttut. Er hat sich entschieden, sich nicht operieren zu lassen.  Ein Pflegedienst versorgt ihn mit, er bekommt Vitamin-C-Infusionen und Essen auf Rädern. Momentan scheint er wirklich so etwas wie ein bisschen Lebensfreude (das erste Mal seit dem Tod meiner Mutter im Februar) zu haben. Das ist schön zu sehen!