Es gibt keinen Grund für Angst

Es gibt keinen Grund für Angst

9. Oktober 2018 4 Von susanne

Diesen Artikel schiebe ich nun schon einige Zeit vor mir her. Und ich dachte, ich hätte in Kühlungsborn genug Muße, ihn zu schreiben. Es liegt sicher an dem Thema ANGST, das so leicht  zu Missverständnissen und Widerstand führen kann. Es ist auch DAS zentrale Thema dieses Blogs.

Ich möchte Dich aus diesem Grund bitten, diesen Text mit dem Herzen zu lesen. Mit dem Herzen lesen? Wie geht das?

Das bedeutet, den Verstand, der sofort immer alles beurteilt, interpretiert und in Frage stellt, mal für kurze Zeit in der Urlaub zu schicken. Wenn also solche Sätze und Gedanken in Deinem Kopf auftauchen, wie:

Das funktioniert sowieso nicht…
Wie kann man…?
Hab ich schon hundertmal probiert…
Ja, das stimmt schon, aber..

Dann akzeptiere diese Sätze, nimm sie wahr, ohne sie zu bewerten und lasse sie wieder los. Dahin entschwinden, woher sie gekommen sind. Gedanken sind harmlos, es sei denn, ich glaube ihnen. Weil selbst, wenn wir uns diese Sätze ehrlich anschauen, dann werden wir irgendwann feststellen, dass sie unwahr oder zumindest unvollständig sind. Dann taucht das Herz auf….

Also, lass den Text durch die Gedanken hindurch in Dein Herz sinken…
Das Herz ist kompromisslos und bedingungslos ehrlich. Und lässt sich vom Denken gar nicht beeindrucken. Es ist eine innere Weisheit, die auch Du in Dir trägst. Diese Gewissheit in mir vertraut darauf, dass es eine Instanz in Dir gibt, die alles versteht. Auch wenn Du noch nicht alles verstehst.

Es gibt keinen Grund für Angst.
Ist das wirklich so? Ist es nicht vermessen, solche Behauptung aufzustellen?

Es ist meine Erfahrung! Kein Wissen oder keine Lehre oder These.
Es ist Erfahrung.

Eine Erfahrung, die ich machen durfte, seit vor 3 Monaten bei mir ein fortgeschrittenes Rektumkarzinom (Enddarmkrebs) festgestellt wurde. Wie kann man da sagen, es gibt keinen Grund für Angst? Krebs?… Das bedeutet Leiden…. Schmerzen…..Sterben….Tod…..?

Angst ist in unserer Gesellschaft so selbstverständlich und alltäglich geworden und es ist, wie den Fünf Elementen der chinesischen Philosophie entsprechend ein fast „versteinertes“ Thema, das nur wenig Spielraum und damit Veränderung zulässt. Spätestens, wenn meine PatientINNEN mit der Diagnose „Angststörung“ kamen, war „Hopfen und Malz verloren“. Da kommt man nicht mehr raus…

Und Krebs ist auch solch ein Thema, das wie ein Säbelzahntiger (der Arme muss immer wieder herhalten für die Angst…) bedrohlich, erschreckend und angstschürend wirkt. Aber sind wir doch mal ehrlich.
Wie oft kommt es denn heutzutage vor, dass der Säbelzahntiger hinter Dir her ist? Die Momente, die mit dieser Intensität zu vergleichen sind, hast Du vielleicht, wenn unerwartet ein Auto neben Dir auf der Straße auftaucht oder wirklich jemand Dich aktuell körperlich bedroht. Das ist Schock, das ist ANGST, die auch sofortige Entscheidungen und Handlungen verlangt und auch abruft.

Alle andere Angst sitzt im Kopf und ist gut trainiert. Das macht schon unser Wortschatz deutlich. Wir haben „Angst vor…“ oder „Angst um…“. Da geht es um etwas Zukünftiges oder um andere Menschen.
Diese Angst blockiert Dich, blockiert diesen nächsten Schritt, ja häufig sogar die nächste Überlegung, weil: „Es hat ja sowieso keinen Sinn.“
Sie verhindert das ehrliche und offene Hinschauen, weil Du die Augen und das Herz vor Angst schon geschlossen hast.

ANGST ist aus der Sicht des Lebens ein Innehalten, um eine neue Entscheidung zu treffen.
Das braucht offene Augen und ein offenes Herz.

Wenn Angst sich unser bemächtigt hat, sind wir manchmal schon gleich gestorben. Zum Beispiel bei der Diagnose „Krebs“. Krebs ist vor allen Dingen eins: eine starke Energie, die an sich neutral ist und positiv genutzt werden kann, oder schmerzhaft sein, wenn wir uns dagegen wehren, sprich: Sie nicht richtig verstehen. In diesem Fall kann ein Erstarren in Angst tödlich sein und es ist wichtig, dem Leben zu folgen.

Angst ist das mächtige Werkzeug der Opferrolle!

Schock im Kopf, Erstarren, Augen zu machen, alte Denkmuster füttern, Herz verschließen, jammern, sterben…
anstelle:
Innehalten, Atmen, Augen auf, Leben zulassen, Informationen sammeln, Entscheidungen treffen, handeln, am LEBEN teilnehmen…

Es gibt keinen Grund für Angst.
Ist das wirklich so?
Es ist meine Erfahrung!

Sicher, diese Erfahrung kommt nicht aus dem Nichts. Ihr ist ein „Training“ vorausgegangen. Das Training, jeden Moment meines Lebens bewusst im HIER und JETZT zu genießen und zu erLEBEN. LEBEN spielt sich immer nur im HIER und JETZT ab. Nicht morgen, nicht vor 2 Monaten und schon gar nicht in 2 Jahren. Wenn es ein mächtiges Heilmittel gibt, dann ist es das LEBEN selbst.

Wann entsteht Angst? Angst entsteht dann, wenn ich anfange, mir Gedanken zu machen. Gedanken über: Was wird nur werden? Werde ich den Krebs überleben? Mit welchen Folgen muss ich rechnen? Was wird aus der Praxis? Wie lange hab ich noch?

Jede Angst zerfällt, wenn ich in den Augenblick zurückkehre. Und ja, ich bin sehr dankbar, dass dieser Sommer mir besonders viele schöne, sonnige, warme, entspannte und schmerzfreie Augenblicke beschert hat. Es gab sehr LEBENdige Augenblicke!

Angst entsteht wieder, wenn ich denke: Ja, und was ist, wenn der Sommer nun zu Ende geht? Wie ist es im trüben Herbst und kalten Winter? Wie geht es nach der Operation weiter? Welche Folgen werde ich davontragen?
Letztlich sind es „tote“ Augenblicke, denn diese gibt es nicht.

„Es gibt 2 Tage im Jahr, an denen wir nichts tun können: Gestern und Morgen“ (Dalai Lama)

Ja, natürlich habe ich „Schiss“ vor der Operation. Und am liebsten möchte ich diese Operation umgehen. Und ich bin ehrlich: Ich hätte keine Problem, mir eine Brust abnehmen zu lassen. Jedoch diese Operation am Ende des Darms ist komplikationsreich und hat enormen Einfluss auf meine weitere Lebensqualität und körperliche Verfassung. Stuhlinkontinenz (Stuhlgang nicht halten können, ständige Durchfälle) oder ein künstlicher Darmausgang sind ja noch die vorhersehbaren Folgen. Was mache ich nun mit diesen „Ängsten“ und „Befürchtungen“?

Es wäre unklug und ignorant, dieses Gefühl in mir zu negieren. Ich lasse sie da sein und halte inne und die Augen offen, schaue sie gütig und ehrlichen Herzen an und nehme dies als Anstoß, all das in meiner Macht stehende zu tun, um meine Selbstheilungskräfte so zu stärken, dass es vielleicht keine Operation braucht.

An erster Stelle steht Entspannung, weil JETZT muss ich ja gar nichts entscheiden. JETZT bin ich HIER.  Diese „Ich möchte keine Operation.“ hat keinen Druck und keinen Erfolgszwang. Also hilft mir die Angst, ehrlich zu mir selbst zu sein, die Augen zu öffnen und JETZT am Leben teilzunehmen.

So habe ich das Gefühl, das LEBEN fragt mich hier:
„Und…. kannst Du auch dies annehmen?“ Das ist die Herausforderung und sie braucht ein offenes Herz, Ehrlichkeit und Mut. Und ich werde auch damit LEBEN, wenn es denn sein muss und mir nicht die Laune verderben lassen.

Jede Angst, jeder Gedanke, jedes Konzept zerfällt, in dem Annehmen, was ist. Wenn ich mit dem jetzigen Moment einverstanden bin, gibt es keinen Grund für Angst. Einverstanden sein, heißt nicht, ich muss ihn unbedingt toll finden. Es gibt auch unangenehme Momente ohne Leiden, d.h. vor allem ohne Angst.

Es gibt natürlich eine Instanz in mir, die es völlig vermessen findet, zu sagen, es gibt keinen Grund für Angst. Natürlich kennt der Kopf, der Verstand, das Ego Gedanken und Angst. Das ist sein Job und gleichzeitig seine Nahrung. Er liebt Gedanken und er liebt auch die Angst, weil er unlösbare Probleme liebt.

Diese Angst ist nichts Negatives, sie ist jedoch eine Illusion. Angst ist ein Zustand der Enge im Bewusstsein und kann nur durch Erkenntnis und durch offenes und kompromisslos genaues Betrachten gelöst werden. Angst hat einen Grund und dieser Grund liegt in einem unrealistischen und ungeübten Denken. In der ungeübten Bewertung der Dinge und nicht in äußeren Situation.

Das Herz, die LIEBE und das LEBEN sind  IMMER mit allem einverstanden. Ohne Urteil, ohne Bewertungen, ohne Interpretation und ohne Fragen! Hier kann gar keine Angst entstehen. LEBENdig sein, heißt Erfahrungen machen, LEBEN spüren, atmen, mit all seinen Intensitäten und Facetten.

Mit LIEBE heilen, heilt vor allem die Angst.

Durch diese Informationen entsteht ein begründetes Vertrauen ins LEBEN statt unbegründete Angst, denn wir kennen weder den Grund der Vergangenheit vollständig, noch das was mit der Situation passieren wird in der Zukunft.

Mit LIEBE heilen, bedeutet nicht, Gesundheit „machen“ oder herstellen. Gesundheit ist etwas sehr „Verborgenes“. Gesundheit ist ein Zustand, wenn wir gar nicht darüber nachdenken. Wir merken meist erst ihren Verlust, wenn sich ein Symptom, eine Beschwerde oder Krankheit einstellt.

Keine Therapie kann das, weder die Schulmedizin, noch die Komplementärmedizin. Jegliche Therapie kann genutzt werden für den Innenkontakt, den Kontakt mit meinem Körper und mit meinem Atem, mit dem HIER und JETZT.
Insofern ist sie sicher nützlich und nicht überflüssig. Und heilsam.

Heilung ist immer Gnade und Geschenk zugleich für alle Beteiligten.