Tag 5 im Tagebuch

Tag 5 im Tagebuch

10. August 2018 0 Von susanne

08.15 Uhr

Es scheint, als wenn sich mein Körper ein wenig beruhigt nach all der Tortur und Aufregung letzte Woche, allem Schock. Es geht mir recht gut und selbst auf den Klo war alles einfacher.

Wir waren gestern auch wieder etwas laufen, was hilfreich für das Körpergefühl ist. Bewegung tut einfach gut. Ernährung ist hier auf dem Schiff noch bisschen schwierig. Fleisch und Weizenbrot will ich weglassen und zu viel Salat rumort im Bauch. Wenn wir wieder zurück sind, überlege ich, mit dem Fasten an zu fangen. Das war schon immer meine Aussage, wenn ich mal Krebs bekommen sollte.

Auch das morgendliche Qigong ist unterstützend. Ich möchte es unbedingt fortsetzen. Und gerade jetzt im Sommer fällt es mir auch nicht schwer früh aufzustehen. Es sind die Übungen aus dem Jinjinggong, die wir im letzten Jahr beim Retreat im Kloster Puzhaozi gelernt haben. Eine ganzheitliche Übungsreihe aus Bewegung, Schütteln, Klopfen, Atmung, Tönen und Bewusstsein. Master Wang und Heiner sind im Geiste dabei. Absolut amazing…..

15.45 Uhr

Was habe ich heute im Seminar gesagt?  Gerade in schwierigen Situationen benötigen wir Bewusstheit, Achtsamkeit,  einen offenen Blick, um wach zu sein für die Möglichkeiten, die das Leben uns schenkt. Es ist schon erstaunlich,  wie einfach sich dieser Satz sagen lässt und wie anders er klingt,  wenn der Krebs in einem sitzt.

LEBEN, wenn Du meinst, dass ich bereit bin für diese Prüfung,  dann will ich sie gerne annehmen und ich bitte Dich, dass ich mit dieser Erfahrung weiterhin hilfreich sein kann für die Menschen. Und bitte hilf mir dabei.

Heute früh beim Qigong in der Klopfübung für den Gallenblasenmeridian stieg eine neue Energie in mir hoch. Sie war sehr kraftvoll, energetisch und ein wenig wütend. Wenn ich mir treu bleiben und herausfinden will, wie weit Heilen mit Liebe wirklich funktioniert,  dann werde ich für mich einen Mittelweg aus Kampf und Frieden finden müssen.

Und ich möchte alles mitbekommen, was Menschen mit Krebs fühlen. Und ehrlicherweise muss ich sagen, dass es da diesen Anteil in mir gibt, der sich darüber freut, weil er mir die Möglichkeit aller Entscheidungen gibt. Ich kann es noch gar nicht genau beschreiben, aber er gibt mir die Freiheit zurück, bestimmte Dinge zu tun oder nicht, ohne, dass ich mich erklären muss.