LEBEN statt Überleben

LEBEN statt Überleben

17. Oktober 2018 2 Von susanne

Nachdem ich gestern zunächst erst mal nach Kühlungsborn gefahren bin, um meinem Meer, dem Strand und den Steinen zu danken, fange ich erst langsam an zu realisieren, was wir da eigentlich erreicht haben. Und auch mir fällt ein Stein 🙂 vom Herzen…

Habe ich es jetzt eigentlich geschafft? Wer definiert wann, dass ich geheilt bin?
Wann bin ich aus dem Überleben wieder raus am LEBEN? 🙂
Ich komme an so viele Fragen in diesem Prozess, die ich heutzutage (auch als Ärztin)  in Frage stellen würde, weil sie so sinnlos und unvollständig sind.

Es ist das beste und schönste Ergebnis, was ich für diesen Tag und diesen Moment bekommen konnte.

Erinnert Ihr Euch an den Artikel über die 5 Monate Auszeit?
Schon letzte Woche dachte ich noch mal daran und dachte so, wenn das LEBEN so exakt ist, dann muss der Krebs weg sein, weil, Ende Oktober sind die 5 Monate vorbei. Das fiel mir heute früh beim Aufwachen wieder ein. Und- das LEBEN ist exakt!

Da gibt es natürlich eine Instanz in mir, die gleich fragt:
Und jetzt? Gehst Du morgen wieder in die Praxis arbeiten?

Macht Euch keine Sorgen, das werde ich nicht tun! Bis Ende des Jahres ist ja alles geregelt und „zum Glück“ habe ich noch ein geschwächtes Immunsystem (durch die Radiochemotherapie), das noch nach Unterstützung und Behandlung verlangt.  Und Anfang Dezember erfolgt ja noch mal ein komplettes Staging (MRT-Kontrolle, Rektoskopie, Endosonografie), das dann erst mal genauere Aussagen erlaubt und aus denen man zunächst entscheiden kann, ob ich die Operation weglassen kann. Die Ergebnisse dieser Wait-and-see-Strategie sehen gar nicht so schlecht aus. Und mein „Warten“ bedeutet ja nicht „Abwarten“, sondern komplementäre Nachbehandlung und Beseitigung aller Risikofaktoren (Zähne, Darm, versteckte Infektionen, Bewegung, Ernährung, Entspannung).

Ich empfinde den gleichen Prozess der Umgestaltung meiner Lebens- und Arbeitssituation, wie bei der Diagnose Krebs. Jetzt geht es an Informationen sammeln, vergleichen, innehalten, spüren, Entscheidungen treffen, organisieren. Damit auch dort was Neues entstehen kann. Inzwischen freue ich mich schon darauf. Ohne genau zu wissen, wann das sein wird.

Ich muss ja zugeben, eine Krebsdiagnose hat auch eine gewisse Faszination! (Ich finde es sehr spannend, ALLE Aspekte einer Krebsdiagnose und –Erkrankung ganz bewusst mitzubekommen, um vielleicht später, Menschen mit diesem Problem besser verstehen und behandeln zu können.)

Diese Diagnose erlaubt mir wirklich, Dinge zu tun und Entscheidungen zu treffen, die ich vorher nicht für möglich gehalten habe und wenn diese Diagnose jetzt „wegfällt“, muss ich meine Entscheidungen wieder aus mir selbst heraus treffen. Ich kann mir schon vorstellen, dass es für einen ungeübten Geist 🙂 durchaus ein Hinderungsgrund sein kann, vom Krebs wieder vollständig loszulassen. Insofern hilft diese Diagnose dann noch und auch so lange, wie es braucht, vielleicht auch, um sich zu schützen.

Ich komme wieder darauf zurück: Jeder Krankheitsprozess beinhaltet die Möglichkeit, vor allem im Geiste zu heilen, vor allem die Angst zu heilen. Erst dann kommt das wirkliche LEBEN zu Dir zurück.

Und ich war, bin und werde jeden Moment (bis auf kleine Ausrutscher :-)) am LEBEN teilnehmen, einfach weil es so spannend, hilfreich, heilsam und einfach ist.

Meine Mutter (Krebserkrankung Merkelzellkarzinom seit 1 1/2 Jahren) hatte gestern ihre Kontrollen und leider hat man im CT einen großen Tumor (Metastase ?) hinter dem Brustbein festgestellt. Dieser wird heute (gerade jetzt)  punktiert. Alle meine guten Gedanken gehen zu ihr.