Hohes Fieber. Tiefes Loch. Tränen.

Hohes Fieber. Tiefes Loch. Tränen.

4. November 2019 2 Von susanne

Irgendwas ist immer… Portinfektion

Donnerstag, Feiertag, 31.10.2019
Ich sitze auf der Liege in der Notaufnahme und werde hierbleiben müssen.  Wegen Verdacht auf eine Portinfektion.
Wieder Klinik. Gerade habe ich habe gar keine Lust dazu.

Gestern Abend hat Erik mir den Port angestochen (ich wollte mir an den freien Tagen was „Gutes“ tun und mich ein wenig mit Hochdosis-Vitamin C versorgen) und zwei Stunden später hatte ich extremen Schüttelfrost und später hohes Fieber. Vermutlich gibt es eine Portinfektion. Zu doof…

RoseIch weiß noch gar nicht, was die Tränen sind.
Enttäuschung, Selbstmitleid oder Ärger? 
Ärger immer zu den kleinen Prozenten zu gehören.
Wieviel soll ich noch aushalten? 
Was soll ich denn noch lernen?

Es wäre zu doof und lächerlich, an einer Portinfektion zu sterben.

Gerade wehrt sich wirklich alles in mir gegen Klinik.

Hele ist wieder da.

Ihr kennt Hele nicht? „Hele“ ist das Häufchen ELEnd in mir, das jammert, weint und verzweifelt ist. Im Januar wurde Hele geboren… 🙂 Und ab und zu taucht sie auf, möchte getröstet und gestreichelt werden. Ich mag meine Hele in mir und in Hugos Nähe kann Hele sich auch entspannen und Ruhe finden.

Immer noch Notaufnahme: Blutentnahme, Blutkulturen, Röntgen.
Nochmal Port mit neuer Nadel angestochen, um auch dort Blutkulturen anzulegen. Er ist nicht aspirabel, d.h. es kommt kein Blut zurück.

Am frühen Nachmittag lande ich auf Palliativ-Station.Portinfektion

Es ist die Station, wo meine Mutter zuletzt gelegen hat im Januar, als ich zur gleichen Zeit meine schweren Operationen hatte. Bin im Palliativ-Bereich gelandet und habe im Moment noch das Zimmer für mich allein. Die Stationsschwester ist sehr nett und es kullerten auch gleich wieder die Tränen. Vielleicht kann ich es als Einzelzimmer behalten.

Sonne scheint in mein Zimmer. Sie tröstet mich. Werde mich jetzt mal bei den Kindern melden.  PAPILLON (unsere WhatsApp-Gruppe) wird wieder aktiv.

Hugo kommt und bringt mir meine Sachen, die wir vorsorglich schon bereitgelegt hatten. 15 Uhr bekomme ich den ersten Antibiotika-Tropf. 17 Uhr wird eine Port-Lyse durchgeführt, um den Port wieder durchgängig zu machen. Dazu wird ein Mittel (Uro-Kinase) hineingespritzt, das kleine Gerinnsel / Fibrin auflösen kann. Es funktioniert und so werden Blutkulturen auch vom Portsystem abgenommen.

Zum Abendbrot gibt es die berühmte „Krankenhaus-Leberwurst“.
Es ist der erste Moment, wo ich lächeln muss. 🙂

PortinfektionNach all den Spülungen am Port ist es kein Wunder, ich bekomme Schüttelfrost am Abend und das Fieber fängt wieder an zu steigen. Hele liegt im Bett und jammert. Gegen halb zehn habe ich 39,6° Temperatur, bekomme Novamin und beginne zu schwitzen. Gegen Mitternacht wechseln wir alle Wäsche, ich dusche kurz und lege mich ins frische Bett. Das Fieber ist gesunken. Hugo bleibt die Nacht über bei mir am Bett.

Freitag, 01.11.2019

Geschlafen, Temperatur am Morgen unter 37°, toll.
Mir fällt ein, dass ich genau heute vor 28 Jahren auch in diese Krankenhaus lag und meine Tochter Johanna geboren habe. Sie wird heute 28 Jahre alt.

Ich ziehe um in ein Einzelzimmer und neben der Freude ist da zuerst auch ein komisches Gefühl, weil es das Zimmer ist, in dem meine Mutter gelegen hat. 14 Tage später ist sie gestorben. Da ist es gut, sein Gedankenkarussell in Griff zu haben. Es sind nur Gedanken! Und: Gedanken sind harmlos, es sei denn, ich glaube ihnen. 🙂 Darin bin ich gut trainiert, das macht mir keine Sorgen.

Die Portnadel wird entfernt und dazu noch mal wieder gespült. Nach dem Mittag habe ich einen Anflug von Schüttelfrost, lege mich ins Bett und schlafe ins Fieber. Jedoch ist es gar nicht so angestiegen, hab nur 37,2°. Gut, den Tag nicht vor dem Abend loben. Aber ich bleibe fieberfrei. Auch die weiteren Tage! Die Portinfektion scheint im Griff.

Samstag, 02.11.2019

Meine Venen sind so schlecht geworden im letzten Jahr. Die Flexüle am rechten Arm in der Ellenbeuge verabschiedet sich in der Nacht. 2 Stunden, 2 Ärztinnen und 4 Versuche später habe ich eine neue Flexüle und bekomme nachts um 2 Uhr meinen Antibiotika-Tropf.

Sonntag, 03.11.2019

Es ist DIE perfekte Sonntagnachmittag-Spaziergang-Sonne und ich liege hier rum und warte auf meine Antibiotika als Tropf. Und es sind vermutlich für die nächsten Tage die letzten wärmenden Sonnenstrahlen, es folgt klassischer November-Grau-Regen. Herbstmandala

Gestern mit Katharina und heute war ich noch kurz im Klinikpark und habe „gearbeitet“. Ein schönes Herbst-Mandala ist entstanden. Ich fange an, die Verschiedenheit und Schönheit der Blätter genauso zu lieben, wie bei MEINEN Steinen. Es ist schöner als das andere. Vorteil: Sie sind um ein Wesentliches leichter!

Und so stehHerbstabende ich hier an meinem Fenster und schaue der Sonne beim Untergehen zu. Die Herbstsonne hat so viel Weiches, Warmes und zugleich Strahlendes. Es macht so viel Freude, mit diesem Licht zu fotografieren.

Morgen ist nun endlich Montag und dann wird hier auch der „ärztliche Betrieb“ wiederaufgenommen. Am Wochenende (und wir heute ein LANGES Wochenende wegen dem Feiertag) sieht man hier kaum Ärzte. Morgen müssten auch die Ergebnisse der Blutkulturen da sein und morgen Nachmittag ist mein Leber-MRT. Danach lassen sich besser Entscheidungen treffen. Und ich hoffe, ich kann mich in Ruhe mit meinem Onkologen besprechen. Bis Dienstag-Mittwoch will ich hier ja gerne die Füße stillhalten. Eventuell geht der Port dann erst nach Fuerteventura raus, wenn aber alle Untersuchungen nächste Woche in Ordnung sind, dann werde ich mich von ihm verabschieden. Er hat mir gute Dienste geleistet und hat nun angezeigt, dass seine Zeit vorbei ist.

Montag, 04.11.2019

09.30 Uhr

Antibiotika-Tropf, Duschen, Visite (Entlassung am Mittwoch), Frühstück, QigongQigong

Heute früh beim Qigong eine besondere Art von Entspannung. Nach 2 Jahren mehr oder weniger regelmäßigem Qigong hatte ich heute einige Minuten lang das Gefühl von „ganz“ oder „richtig“, von „Es ist perfekt.“ Perfekt im Sinne von vollständig, ohne Frage, Stille und innerem Frieden.

Irgendwie ist dies ein „perfekter Tag“. Ich bin mit allem einverstanden, was kommt. Ein großartiger Zustand. Immerhin habe ich ja heute noch das MRT der Leber.

Mein Onkologe schaut kurz rein. Er ist zwar immer „auf dem Sprung“ :-), trotzdem kann ich alles ansprechen und so komme ich vielleicht schon am Dienstagnachmittag raus.

14.30 Uhr

Ich komme gerade vom MRT.
In der Leber scheint alles in Ordnung zu sein… yeah….
Von wegen: Irgendwas ist immer… in Ordnung… 🙂

Und im Übrigen ist auch seit der Infektion meine Sehnenscheidenentzündung fast weg…. 🙂